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Phytotherapie: 5 Pflanzen mit belegter Wirkung

Schluss mit dem Mythos vom „grünen Hokuspokus“. Diese 5 Heilpflanzen haben in Studien gezeigt, was sie können. Klartext über Dosierung, Wirkung und Risiken.

NaturaCare Redaktion 6 Min.
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Phytotherapie: 5 Pflanzen mit belegter Wirkung

Mehr als nur Tee: Was ist Phytotherapie?

Phytotherapie, die Pflanzenheilkunde, hat oft ein Image-Problem. Sie pendelt zwischen Omas Kräutertee und dem Vorwurf des „grünen Hokuspokus“. Dabei ist die moderne Phytotherapie eine ernstzunehmende Wissenschaft, die sich mit der Wirkung von Pflanzen und ihren Inhaltsstoffen auf den menschlichen Körper beschäftigt.

Der entscheidende Unterschied zum einfachen Pfefferminztee aus dem Supermarkt: In der Phytotherapie werden meist standardisierte Extrakte verwendet. Das bedeutet, der Gehalt des wirksamen Inhaltsstoffes in einer Kapsel oder Tablette ist genau definiert und kontrolliert. So wird eine gleichbleibende Qualität und eine verlässliche Dosierung sichergestellt. Das ist übrigens auch der Grund, warum viele dieser Präparate nur in der Apotheke erhältlich sind.

Wir stellen dir fünf Heilpflanzen vor, deren Wirkung in guten klinischen Studien nachgewiesen wurde.

Fünf Pflanzen im Fakten-Check

1. Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Wofür? Zur Behandlung von leichten bis mittelschweren depressiven Episoden. Hochdosierte Johanniskraut-Extrakte haben in zahlreichen Studien eine Wirksamkeit gezeigt, die mit der von einigen chemischen Antidepressiva vergleichbar ist – bei in der Regel besserer Verträglichkeit.

Aber Achtung: Johanniskraut ist kein harmloses „Stimmungskräutlein“. Es kann die Wirkung vieler anderer Medikamente stark beeinflussen. Dazu gehören die Anti-Baby-Pille (deren Wirkung herabgesetzt werden kann!), bestimmte Herzmedikamente, Gerinnungshemmer und sogar andere Antidepressiva. Eine Einnahme sollte unbedingt mit einem Arzt oder Apotheker abgesprochen werden.

2. Pfefferminze (Mentha x piperita)

Wofür? Bei Reizdarmsyndrom und Spannungskopfschmerzen. Die Pfefferminze ist ein echtes Multitalent. Das ätherische Öl der Pflanze, eingenommen in magensaftresistenten Kapseln, wirkt krampflösend auf die Darmmuskulatur. Die Wirksamkeit bei den Symptomen des Reizdarmsyndroms wie Bauchschmerzen und Blähungen ist sehr gut belegt.

Äußerlich angewendet kann Pfefferminzöl (ein paar Tropfen auf die Schläfen und die Stirn gerieben) bei leichten bis mittleren Spannungskopfschmerzen genauso wirksam sein wie eine Schmerztablette. Der Kältereiz blockiert die Schmerzweiterleitung.

3. Weidenrinde (Salix spec.)

Wofür? Bei Schmerzen und leichten Entzündungen, z.B. Rücken- oder Gelenkschmerzen. Die Rinde der Weide ist das Original-Aspirin aus der Natur. Sie enthält den Stoff Salicin, der im Körper zu Salicylsäure umgewandelt wird – dem Wirkprinzip hinter der Acetylsalicylsäure (ASS). Weidenrindenextrakt wirkt schmerzlindernd, entzündungshemmend und fiebersenkend. Die Wirkung tritt langsamer ein als bei einer ASS-Tablette, hält aber länger an und gilt als magenfreundlicher.

4. Teufelskralle (Harpagophytum procumbens)

Wofür? Zur unterstützenden Behandlung von degenerativem Gelenkverschleiß (Arthrose) und leichten Rückenschmerzen. Die südafrikanische Teufelskrallenwurzel hat ausgeprägte entzündungshemmende und leicht schmerzlindernde Eigenschaften. Zahlreiche Studien belegen, dass Extrakte der Teufelskralle die Beweglichkeit bei Arthrose verbessern und den Schmerzmittelbedarf senken können. Die Wirkung setzt allerdings nicht sofort ein, eine Einnahme über mehrere Wochen ist notwendig.

5. Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus)

Wofür? Bei Prämenstruellem Syndrom (PMS) und Zyklusunregelmäßigkeiten. Mönchspfeffer-Extrakt greift in den weiblichen Hormonhaushalt ein. Er kann den Spiegel des Hormons Prolaktin senken und so das Gleichgewicht zwischen Östrogen und Progesteron stabilisieren. Dadurch können typische PMS-Beschwerden wie Brustspannen, Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen sowie Rhythmusstörungen des Zyklus positiv beeinflusst werden. Da es sich um einen Eingriff ins Hormonsystem handelt, sollte die Einnahme ärztlich begleitet werden.

Wann lieber zur Ärztin?

Der Leitsatz muss immer lauten: „Pflanzlich“ bedeutet nicht automatisch „harmlos“. Heilpflanzen sind potente Medikamente aus der Natur. Ein Arztbesuch ist unerlässlich unter folgenden Bedingungen:

  • Bei schweren oder langanhaltenden Symptomen. Eine Depression gehört immer in ärztliche Hände, Johanniskraut kann hier nur eine Option sein.
  • Wenn du bereits andere Medikamente einnimmst. Die Gefahr von Wechselwirkungen ist real und muss abgeklärt werden.
  • In der Schwangerschaft und Stillzeit. Hier ist besondere Vorsicht geboten.
  • Wenn sich deine Beschwerden nach einer angemessenen Zeit der Selbstbehandlung (z.B. 2-4 Wochen) nicht bessern oder sogar verschlimmern.

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